Veränderte Kindheit - Bestandsaufnahme

Schulhofumgestaltung

Bestandsaufnahme - unsere Pausensituation, Ziele der Schulhofumgestaltung, Beschreibung der geplanten Projekte

Veränderte Kindheit - veränderte Bewegung

Die zunehmende Technisierung unserer Zivilisation, in der Maschinen schon dem jungen Menschen fast jede körperliche Arbeit und sogar weitgehend die eigene Körperbewegung abnehmen, die sitzende Haltung in der Schule und bei den Hausaufgaben oder Computerspielen führen zu Haltungs- und Organschwächen, die erhebliche Leistungseinschränkungen bis hin zu Veränderungen mit echtem Krankheitswert darstellen.

Bereits Kinder im Grundschulalter, die sich zum Zeitpunkt ihrer Einschulung in der Wachstumskrise des ersten Gestaltwandels befinden, weisen in steigenden Maße Haltungs- und Organschwächen auf. Die schwach entwickelte Muskulatur und die eingeschränkte Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems und der Atmung haben direkte Auswirkungen auf das Nervensystem und die psychische Verfassung des Kindes. Es kommt zu nervösen Störungen und Koordinationsschwächen. Unter Koordinationsschwäche als Zustandsbild einer gesamtmotorischen Instabilität sind qualitative Mängel bei der Bewegungsausführung zu verstehen, die auf ein unvollkommenes Zusammenwirken des sensoneuromuskulären Funktionsgefüges zurückzuführen sind. (Mangelnde Anpassungsfähigkeit und Reaktionsvermögen, unsichere Gleichgewichtseinstellung, Mängel bei Geschicklichkeitsübungen, usw.). Die eigene körperliche Schwäche verhindert die Bereitschaft des Kindes, sich mit anderen zu messen. Es kommt zu psychischen Hemmungen mit Furcht vor Versagen und schließlich zum Außenseiterdasein innerhalb der Gemeinschaft. Eine Folge dieser Entwicklung können aggressive und unkontrollierte Verhaltensweisen gegen sich und andere sein.

Bestandsaufnahme - unsere Pausensituation

Ausgehend von diesen Überlegungen haben die Lehrerinnen und Lehrer der Albert-Schweitzer-Schule zunächst den derzeitigen Pausenhofbetrieb kritisch beobachtet. Die Albert-Schweitzer-Schule hat 2 Schulhöfe. Die Pausenzeit nach der 2. Unterrichtsstunde beträgt 30 Minuten und nach der 4. Unterrichtsstunde nochmals 15 Minuten Es wurden folgende Beobachtungen gemacht:

  • Der untere der beiden Schulhöfe wird dominiert von fußballspielenden Kindern der vierten Jahrgangsstufen, die immer wieder mit ihren teilweise unkontrollierten Schüssen andere unbeteiligte Kinder und aufsichtsführende Lehrer treffen.
  • Die im unteren Schulhof aufgestellte Tischtennisplatte wird nicht bespielt.
  • Auch der im unteren Schulhof angebrachte Basketballkorb kann nicht benutzt werden, wenn Fußball gespielt wird.
  • Im oberen Schulhof kommt es trotz Ausgabe von Kleingeräten (Bälle, Seile, Gummitwist) sehr häufig zu Raufereien unter den Kindern. Auch die Verteilung von "gelben Karten" bei Regelverstößen hat die Situation noch nicht zufriedenstellend entkrampft.

Die Schulleitung hat sich daraufhin entschlossen, in Zusammenarbeit mit einigen interessierten Eltern und Lehrern den derzeitigen Schulhof umzugestalten. Gemeinsam wurden folgende Ziele festgelegt

Ziele der Schulhofgestaltung

Es sollen verschiedene Bewegungsangebote geschaffen werden:

  • zum Abbau von Aggressionen während der Pausenzeit
    interessante Pausenspielgeräte verhindern Langeweile und verschaffen körperliche Betätigung und Erholung nach dem langen Stillsitzen in den Schulstunden
  • zur Förderung des partnerschaftlichen Miteinanders
  • als eine Maßnahme zum Ausgleich von Haltungsschwächen
    Ausgleich von Organleistungsschwächen
    Ausgleich von Koordinationsschwächen
  • zur Erweiterung der motorischen Fähigkeiten bei der individuellen Bewältigung einer Aufgabe und damit zur Entwicklung von Mut und Selbstvertrauen
  • zur Schulung der motorischen Grundeigenschaften:
    Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer als konditionelle Fähigkeiten und Gewandtheit, Beweglichkeit, Geschicklichkeit, Gleichgewichtsfähigkeit als koordinative Fähigkeiten

Neben den geplanten Pausenspielgeräten soll ein "grünes Klassenzimmer" auf einem derzeit ungenutzten Teil der Rasenfläche entstehen. Kriechhecken, Tippies aus Weiden und der neu anzulegende Schulgarten mit Hochbeeten erweitern den Erlebnisraum der Kinder und bieten beim Spielen, Pflanzen und Pflegen genug Gelegenheit für soziales Lernen. Ein "Fühlpfad" mit unterschiedlich gefüllten Parzellen, über den barfuß gelaufen werden soll, verbessert und entwickelt die sensomotorischen Fähigkeiten. Zwei ausgediente Ampelanlagen signalisieren den Kindern, ob sie auf die Spielflächen gehen können. Bei trockenem Wetter stellt der Hausmeister die Ampeln auf "grün", bei Regen und nassen Spielgeräten ist die Rutschgefahr zu groß und die Ampeln zeigen "rot".

Beschreibung der geplanten Projekte

Nachfolgend werden die einzelnen Spielgeräte kurz beschrieben und im Hinblick auf die vorgenannten Ziele überprüft. Im beiliegenden Lageplan sind diese entsprechend nummeriert und farblich kenntlich gemacht.

  1. Reifenparcours: Ausgediente Autoreifen werden stehend bis zur Hälfte in verschiedenen Abständen voneinander eingegraben. Die Kinder können balancierend, laufend oder hüpfend die Hindernisse überwinden.
    Ziel: Verbesserung der Koordination durch Gleichgewichtsschulung
  2. Kletterwand: Eine ca. 6 Meter lange Wand wird mit Hand- und Fußgriffen versehen, wobei die Fußgriffe in einer Höhe von max. 50 cm angebracht werden. Verschieden große Griffe und farbliche Markierungen schaffen unterschiedliche Schwierigkeitsgrade beim Klettern entlang der Wand.
    Ziel: Verbesserung der Geschicklichkeit und des Gleichgewichtes, Training der Finger- und Beinmuskeln.
  3. Tischtennisplatten: Die bestehende Tischtennisplatte wird in den oberen Schulhof verlegt und es werden noch 3 weitere Platten angeschafft und dazugestellt. Spielregeln (z.B. Rundlauf geht vor Einzeltennis) sind noch von den Schülern festzulegen.
    Ziel: Verbesserung der Augen-Hand-Koordination, Anpassungs- und Reaktionsschulung
  4. Balancierbalken: Ein Baumstamm bildet den Balancierbalken.
    Ziel: Schulung der Koordination.
  5. Basketballkorb: Bereits vorhanden.
    Ziel: Schulung der Augen-Hand-Koordination. Soziales Lernen beim Festlegen von Spielregeln und beim Umgang mit schwächeren Mitspielern Verbesserung der konditionelle Grundeigenschaften
  6. Ballfeld: Auf dem unteren Schulhof wird ein rechteckiges Feld durch Linien gekennzeichnet. Die Kinder können verschiedene Ballspiele durchführen, z.B. Prellball, Völkerball, Fußballtennis (hierbei geht es um eine kontrollierte Ballführung auf kleinem Feld im Gegensatz zum bisherigen freien Spiel auf dem gesamten Schulhof).
    Ziel: wie unter "Basketballkorb" beschrieben.
  7. Spielgerätehaus: Ebenfalls im Bereich des unteren Schulhofes wird ein Spielgerätehaus aufgestellt, in dem Kleingeräte wie Springseile, Gummitwist, Bälle, Reifen, Federball- und Tischtennisschläger vorhanden sind und den Schülern in den Pausen zur Verfügung gestellt werden.
  8. Klettergeräte: Es sollen verschiedene Klettergeräte angeschafft werden, die im Detail noch nicht genau festgelegt worden sind.
    Ziel: Schulung der Koordination, Verbesserung der Arm- und Beinkraft, Abbau von Ängsten beim Klettern in größeren Höhen.
  9. Zielwurfwand: Aus unterschiedlicher Entfernung werfen die Kinder mit weichen Bällen auf eine Wand, in die verschiedene Formen/ lustige Gesichter (kreisrund, eckig,) gesägt und mit einem Scharnier in der Mitte versehen wurden. Trifft ein Kind mit seinem Ball eine der Formen, dreht sich diese einmal um ihre eigene Achse und der Ball fällt durch.
    Ziel: Schulung der Augen-Hand-Koordination, Abbau von Aggressionen.