Praktikum an der ASS

Archiv

von Sascha Theiss

Die Albert-Schweitzer-Schule aus dem Blickwinkel eines Praktikanten

1. Erster persönlicher Eindruck der Schule

Als ich morgens an der Schule ankam, war ich natürlich sehr nervös, da ich nicht wußte was und wer auf mich zukommen würde. Zuerst fühlte ich mich ein wenig abgeschreckt, da das Schulgebäude, für eine Grundschule, sehr groß ist. Doch dieser Eindruck verflüchtigte sich ziemlich schnell, denn der Eingangsbereich der Schule ist sehr bunt und kinderfreundlich gestaltet.

Ich fand es sehr interessant, dass erste Mal auf dem Schulhof zu stehen und dabei bewußt viele Kinder und deren Verhalten zu beobachten. Diese Gedanken hatten die SchülerInnen wohl auch, denn wir PraktikantInnen waren schnell die Attraktion auf dem Schulhof. Insgesamt muß ich sagen war der erste Eindruck der Schule sehr positiv. Deshalb war ich sehr auf das Praktikum gespannt, auch um zu sehen, ob sich mein erster Eindruck verfestigen würde.

2. Formale Informationen der Schule

Die Albert – Schweitzer – Schule in Heldenbergen besuchen 350 SchülerInnen, welche aus dem Einzugsgebiet Heldenbergen und dem Nachbarort Erbstadt kommen. Es sind insgesamt 15 Klassen plus einer Vorschulklasse. Für eine Grundschule hat sie ein reichhaltiges Angebot an diversen AG´s. Es gibt eine Computer AG, einen Chor, Textiles Gestalten, Werken, eine Englisch AG, eine Sport AG, eine Tanz AG, sowie eine Theater AG. Die Ausstattung der Schule ist sehr innovativ, so gibt es eine eigene Homepage ( http://www.as-schule.de ) und in fast jedem Klassenzimmer befinden sich Computer. Diese haben eine spezielle Lernsoftware, mit der die Kinder in Deutsch, Mathematik und Sachunterricht, schon ab der ersten Klasse arbeiten können. Außerdem gibt es eine recht gut ausgestattete Schülerbücherei. Hier können die SchülerInnen Sach -, Bilder -, Abenteuer – und Märchenbücher ausleihen.

An der Albert – Schweitzer –Schule wird (Anmerkunge:wurde) in sogenannten Unterrichtsblöcken unterrichtet. Von 7.50 Uhr bis 8.00 Uhr ist der gleitende Tagesbeginn ( unter Aufsicht ). Hier können sich die Kinder im Hof oder in den Klassenräumen aufhalten. Von 9.30 Uhr an ist eine halbe Stunde Pause (Anm. 20 min. Hofpause und 10 min. Frühstück in der Klasse), in der sich die Kinder austoben können. Von 11.30 Uhr bis 11.45 Uhr ist für die zweite aktive Pause. Für Kinder deren Eltern berufstätig sind und nach Schulende noch nicht zu Hause sind, gibt es einen Betreuungsverein, wo die Kinder, unter Aufsicht, bis 13.30 Uhr ihre Hausaufgaben erledigen können. Dies wird gegen einen bestimmten Betrag gewährleistet.

In den Schulpausen gibt es immer zwei Lehrer die Aufsicht haben. Beim Hausmeister hängt je nach Wetterbedingung ein roter Ball oder ein grüner Ball aus. Bei einem roten Ball wissen die Kinder, dass sie kein Spielzeug aus der Spielzeugkiste der Klasse nehmen dürfen, beim grünen Ball ist es umgekehrt. Diese Bälle sind auch vor jeder Pause auf den Getränkekisten angebracht, so dass die Klassen, die ihre Getränke schon vor der Pause holen, Bescheid wissen. In jeder Spielzeugkiste sind Bälle, Springseile etc. Im Sommer haben die SchülerInnen die Möglichkeit auf dem Hof und der Wiese spielen zu gehen. Im Winter ist die Wiese gesperrt, da sonst die Schule durch verschmutzte Schuhe sehr verdreckt wird. Sollte ein Kind sich trotzdem auf die Wiese oder in die Beete wagen, erhält dieses eine „gelbe“ Karte als Verwarnung. Bei der dritten gelben Karte werden die Eltern zu einem Gespräch gebeten.

3. Schulprofil

3.1 LehrerInnenfortbildung

Den LehrerInnen steht es frei an Fortbildungen teilzunehmen, jeder kann dies wahrnehmen so oft er / sie das möchte. Für die / den fehlende/n LehrerIn wird eine Vertretung eingeteilt. Außerdem gibt es an der Albert – Schweitzer – Schule ( ASS ) einen schulinternen pädagogischen Tag, bei dem es im Schuljahr 99/00 um Englisch an der Grundschule ging, da es ab dem Schuljahr 00/01 Englischunterricht an der ASS geben wird. 1999 ging es um Lese – Rechtschreib – Schwäche bei Kindern.

3.2 Jahrgangteams

Die Jahrgangteams der Klassen treffen sich einmal pro Woche, um zu besprechen, was in der folgenden Schulwoche durchgeführt werden kann. Dabei werden Ideen ausgetauscht, aber auch Probleme besprochen und diskutiert. Durch eine solche Zusammenarbeit wird die eigene Lehrerarbeit bereichert und wenn sie funktioniert auch erleichtert.

3.3 Schulsozialarbeit, SchülerInnenbetreuung, Fördermaßnahmen

Die ASS bietet als Schulsozialarbeit, wie schon erwähnt, einen Betreuungsverein an. Für SchulanfängerInnen die noch Mängel in der Aussprache oder Probleme mit der Flüssigkeit im Mund beim Reden haben, gibt es einen Sprachheilunterricht. Dieser wird für sprachauffällige und sprachgestörte Kinder angeboten. Dieser Unterricht ist individuell auf spezielle Auffälligkeiten abgestimmt und findet einmal in der Woche 20 Minuten lang statt. Weitere Fördermaßnahmen werden für SchülerInnen mit Teilschwächen angeboten.

Wenn Eltern denken, ihr Kind sei den Anforderungen der ersten Klasse noch nicht gewachsen, aus seelischen, körperlichen oder geistigen Gründen können diese in die Vorschulklasse der ASS gehen. Hier werden die Kinder nach und nach an den Schulalltag gewöhnt. Dies geschieht meist durch spielerische Art und Weise, wobei intervallweise die Konzentrationsphasen gesteigert werden.

3.4 Schulrituale

Im Winter findet z.B. jede Woche ein Adventssingen statt. Es werden gemeinsame Ausflüge, Tagesfahrten oder mehrtägige Klassenfahrten veranstaltet. Außerdem findet regelmäßig eine Projektwoche statt. Bei der Projektwoche werden zahlreiche Themen angeboten, diese werden auf diversen Plakaten präsentiert.

Ein weiteres Ritual an der ASS sind die Kennenlerntage, hier können die Kindergartenkinder, welche im nächsten Sommer eingeschult werden, in den Schulalltag hineinschnuppern. Ihnen wird so die Möglichkeit geboten, einmal die Schule kennenzulernen.

3.5 Zusammenarbeit mit anderen Institutionen und pädagogischer Konsens

Der Austausch mit anderen Schulen ist auch sehr wichtig. Die weiterführenden Schulen möchten natürlich über den Ausbildungsstand der vierten Klassen informiert sein. Zudem muß der Austausch mit den Kindergärten wegen dem Kennenlerntag vorhanden sein. Außerdem gibt es eine Schulverbundkonferenz, der die ASS angehört. Hier treffen sich die Schulleiter, der teilnehmenden Schulen, um Informationen zwischen den verschiedenen Schulen auszutauschen.

An der ASS gibt es einen pädagogischen Grundkonsens, doch jeder Lehrer setzt diesen anders um, da jeder eine andere Art hat Dinge zu vermitteln und mit Kindern umzugehen.

Zusatzangebote für ausländische Kinder sind auch vorhanden, wie z.B. eine Sprach -, Schreibförderung, was mit spielerischem Lernen verbunden wird.

3.6 Elternbeiträge

Die Eltern werden in das Schulleben auch mit einbezogen. So gibt es eine Elternzeitung, den ABC – Salat, hier werden Eltern, Lehrer und Schüler über interessante Dinge informiert. Weiterhin gehen die Eltern mit auf Klassenfahrten und nehmen an den Projekttagen teil, indem sie eigene Gruppen und Projekte anbieten. Außerdem gibt es eine Elternspende, welche die ASS natürlich sehr gut gebrauchen kann.

3.7 Klassengemeinschaft und SchülerInnenSchülerInnen Verhalten

Im allgemeinen wird die Klassengemeinschaft durch Klassenfahrten, Grillen mit der Familie, eigenem Martinsumzug, etc. gefördert.

Was den Unterricht betrifft, hätte ich nie gedacht, dass Kinder sich gegenseitig so sehr verpetzen, wenn sie gestört wurden oder jemand anderes gegen eine Regel verstoßen hat. Bei solchen Situationen intervenieren die Lehrer und erklären, dass verpetzen nicht gut sei und man als Klasse zusammenhalten, sich gegenseitig, akzeptieren müsse. Sehr auffällig war, wie sich die Kinder untereinander geholfen haben, bzw. sich korrigierten und das diese Hilfe von den SchülerInnen meist akzeptiert und angenommen wurde. Oft konnte ich Kinder beobachten, die von anderen abgeschrieben haben, egal ob falsch oder richtig. Prägnant war, wie kurz, nach irgendwelchen Streitigkeiten, die Kinder wieder normal miteinander umgingen. Für SchülerInnen in der ersten Klasse gibt es noch viele Dinge zu entdecken, deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sie sich sehr schnell ablenken lassen und mit MitschülerInnen reden. In der Klasse sind sehr unterschiedlich Charaktere. Diese reichen von sehr lebhaft, bis zu sehr still.

4. Reflexion

Abschließend muß ich sagen, dass mir das Praktikum sehr gut gefallen hat. Das LehrerInnenkollegium war mir gegenüber immer nett und hilfsbereit. Mein Mentor übertrug mir des öfteren Zusatzaufgaben, wodurch ich zusätzlich noch einiges über den Lehrerberuf lernen konnte. Dies geschah des öfteren relativ spontan. So konnte ich gut verstehen, warum Lehrer flexibel sein müssen.

Die Belastbarkeit habe ich mir in der Art vorgestellt wie ich sie angetroffen habe, jedoch fiel mir auf, dass der Lehrerberuf, durch Unterrichtsvorbereitungen, auch sehr die Freizeit belastet. Am Anfang mußte ich mich erst an den Lärmpegel in den Klassen gewöhnen, der mir am Ende schon gar nicht mehr auffiel. Ungewöhnlich und anstrengend war, dass ca.15 – 20 Kinder auf einmal etwas wollen und über den Lehrer hereinstürzen. Der Lehrerberuf scheint abwechslungsreich zu sein, da fast jeden Tag etwas anderes passiert, womit die SchülerInnen oder das Rektorat den Lehrer überraschen.

Mir hat allerdings nicht gefallen, dass die Pausen zu schnell vorbei waren. Ich habe gedacht man könnte während dieser Zeit in Ruhe seinen Kaffee trinken, doch hier lag ich falsch. In den Pausen muß fast immer etwas erledigt werden, seien es Kopien, Pausenaufsicht oder Konflikte zwischen SchülerInnen zu regeln.

Durch dieses Praktikum hat sich meine Berufsentscheidung gefestigt, da ich mich pudelwohl gefühlt habe. Es war zwar anstrengend, aber ich bin fast immer selbstzufrieden nach Hause gegangen..

Weiterhin denke ich, dass ich während des Praktikums mehr gelernt habe als die drei Semester zuvor in der Universität. Theorie ist zwar sehr schön, in der Praxis aber nicht immer zu bewerkstelligen. Deshalb werde ich in Zukunft theoretische Ansätze wesentlich kritischer betrachten, als ich das vorher gemacht habe. Trotzdem ist das Studium sehr wichtig.