Lateinische Brücken vom Cyberspace nach 1607

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Frankfurter Rundschau vom 19.08.2000

Schul-Homepages aus dem Main-Kinzig-Kreis: mal graue Maus, mal bunt animiert

Von Daniela Roland

Die Aufmachung von Schul-Homepages im Internet wechseln gerade jetzt nach den Ferien chamäleonartig. Fleißige Internet-AGs sind ständig am Basteln. Durchaus, möglich dass die eine oder andere Hompage über Nacht bereits ihr gestern noch gesichtetes Graue-Maus-Outfit abgeworfen, hat ...

MAIN-KINZIG-KREIS. Manches lustige Baustellenmännchen, das heute noch auf einer Schul-Homepages herumhüpft, kann morgen schon verschwunden sein. Das heißt aber nicht, dass es durch einen ebenso attraktiven Link ersetzt wird. Gerade bei den schon länger existierenden Schulseiten im Intemet drängt der Informationsgehalt den Unterhaltungswert in den Hintergrund oder ganz von der Seite runter.

Die Kinzigtalschule in Gründau-Lieblos beispielsweise bedient sich zwar einer sehr schicken Oberfläche ganz en bleu, aber insgesamt zeigt sie sich recht nüchtern und gerade für Schüler vielleicht sogar langweilig.

Richtig öde ist die Heimseite der Kaufmännischen Schulen I in Hanau. Schwarz auf grau - das macht den Leser an! Aber, alle Achtung, gelbe Überschriften. Sonst scheint das Motto dieser Homepage zu sein: "Wir fassen uns kurz".

Attraktiver sind da schon die Kaufmännischen Schulen II: Das pastellfarbene Hintergrundbild des Schulgebäudes bleibt immer am gleichen Fleck, während sich der Text rauf und runter scrollen lässt. Einen Link weiter laden die Macher zu einen virtuellen Rundgang ein. Durch die zahlreichen Bilder erhält die Schule für Fremde ein Gesicht und wirkt nicht so leblos.

Das ist bei vielen anderen Homepages zu bemängeln. Lebendiges und Originelles fehlt. Lernprinzipien und Schulaufbau werden vorgestellt, der persönliche Charakter der Schule bleibt aber irgendwo zwischen den Daten hängen.

Surfer könnten fast den Eindruck bekommen, nicht junge Menschen, sondern leblose Maschinen würden in einer Schule gelehrt, so trocken und bieder sind manche Schulhomepages aufgemacht. „Der Seitenaufbau dauert mit Animationen zu lange",begründet an der Hohen Landesschule die Leiterin der Intemet-AG, Cornelia Hörsting, warum manche Heimseiten „unverziehrt" ins Netz gestellt werden. Den größten Sinn für Unterhaltungswert haben eindeutig die Grundschulen. Die haben sich nämlich etwas einfallen lassen, damit das Wort bieder gar nicht erst mit ihnen in Verbindung gebracht werden kann.

Auf der Homepage der Wilhelm-Busch-Schule Maintal-Dörnigheim verstecken sich in allen Ecken bunte Animationen, die nicht nur die jüngeren Surfer amüsieren. Einen Trick haben sich die Macher einfallen lassen, um tippfauleBesucher dazu zu bringen, sich ins Gästebuch einzuschreiben: Ein Hund tippelt über die Seite, und wer den aus Neugier anklickt, findet sich im Gästebuch wieder. Auf einigen Fotos von Klassenräumen , erkennt die Surferin gleich: Dortgeht es mindestens so bunt zu wie auf der Homepage. Auch diese Seite ist übrigens gerade umgezogen. Ihre Adresse lautet: www.wilhelmbusch-schule.de

„Wer keinen Humor versteht, wer, später selbst Lehrer werden möchte, der sollte jetzt aber sofort zurück", warnen die Albert-Schweitzer Schüler aus Nidderau-Heldenbergen auf ihrer Schülerseite. Nebenan grinst ein riesiger Garfield hämisch und einen Link weiter berichtet eine ehemalige Schülerin über ihre Erfahrungen aus Übersee. Eine richtig coole Homepage (www.as-schule.de), auch für schulfremde Leute. Die wissen nämlich nach einem Besuch „was auf der Schule so abgeht".

„Menschenleer" zeigt sich die Otto-Hahn-Gesamtschule Hanau. Nirgendwo ein Foto. Oder verstecken die sich bloß zu gut? Sehr seriös präsentiert sich die Schule im Netz. Der ein oder andere Farbkleks hätte diesem Image keinen Abbruch getan. Mit einer Lupe sollten sich diejenigen vor ihren Monitor setzen, die etwas über den Aufbau der Hahnschule und ihren Namensgeber nachlesen wollen Unter diesem Link kommt es zwar zur ersten Begegnung mit menschlichen Wesen, Lise Meitner und Otto Hahn, dafür ist der Text über die beiden fast nicht zu entziffern.

Bunt und bebildert präsentiert sich dagegen die Hohe Landesschule unter www.hohe-landesschule.de. Hier sorgt das Direktorat für den seriösen Touch: Mit „Qui collegiis nomen semel dedit... suam quisque scientiam in dies augere et exornare studeto (Lex XVI, XVII) (Wer sich für die Kollege einmal eingeschrieben hat..., soll sich bemühen, sein Wissen von Tag zu Tag auszubauen)" begrüßt der amtierende Schulleiter Knut Zierlinger die Surfer.

Er schlägt mitten in die Welt des Cyberspace eine Brücke zur Schulordnung von 1607 und drückt damit den Wunsch aus, der sich auf vielen Schulpages als Grundsatz durchgesetzt hat: „sich wechselnden Gegebenheiten zu stellen und neue Möglichkeiten zu erproben, aber auch erhaltenswerte Traditionen zu schützen."